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Arbeitsmarkt-Analyse: In diesen Bundesländern bleiben offene Stellen trotz hoher Nachfrage unbesetzt

Arbeitsmarkt-Analyse: In diesen Bundesländern bleiben offene Stellen trotz hoher Nachfrage unbesetzt

Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor großen Herausforderungen: Manche Stellen bleiben trotz hoher Nachfrage über Monate unbesetzt. Auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit haben wir analysiert, in welchen Bundesländern besonders viele offene Stellen auf vergleichsweise wenige Arbeitssuchende treffen und wie lange Positionen vakant bleiben. Untersucht wurden unter anderem Berufe in Büro, Personalwesen, Steuerberatung, Arzt- und Praxishilfe, Werbung und Marketing sowie Versicherungen und Finanzdienstleistungen. Die Ergebnisse zeigen: In einigen Bundesländern kommt es zu einem sogenannten Arbeitsmarkt-Mismatch. Es gibt zwar Arbeitskräfte, doch diese passen nicht zu den offenen Stellen, etwa aufgrund falscher Qualifikationen, Erfahrung oder Region. Anders als beim Fachkräftemangel, bei dem es zu wenige qualifizierte Personen gibt, handelt es sich beim Arbeitsmarkt-Mismatch um ein Problem der zu geringen Passgenauigkeit von Angebot und Nachfrage.

Werbung und Marketing: Wenn Bewerber und Stellen aneinander vorbeigehen

In mehreren Büro-, Dienstleistungs- und Praxisberufen bleiben offene Stellen trotz vorhandener Arbeitssuchender über Monate hinweg unbesetzt. Besonders deutlich zeigt sich dieses Phänomen in der Werbe- und Marketingbranche: Obwohl es vielerorts viele Bewerber gibt, finden Arbeitssuchende und offene Positionen nicht zusammen – ein klares Indiz für Matching-Probleme auf dem Arbeitsmarkt. In 15 der 16 Bundesländer weist die Branche eine niedrige Stellen-Arbeitslosen-Relation auf, das heißt: Auf eine offene Position kommen vergleichsweise viele Bewerber. Dennoch liegen die Vakanzzeiten in diesen Bundesländern häufig bei über 90 Tagen. Spitzenreiter ist Bremen, wo Stellen durchschnittlich bis zu 329 Tage unbesetzt bleiben. Auch in Sachsen-Anhalt und im Saarland ziehen sich Besetzungen mit jeweils 219 Tagen deutlich in die Länge. Eine Ausnahme bildet Thüringen: Als einziges Bundesland im Ranking zeigt sich hier ein regulärer Bewerbermarkt. Zwar kommen auch hier auf 32 offene Stellen rund 333 Bewerber, offene Positionen bleiben jedoch im Schnitt nur 62 Tage vakant.

Versicherungen und Finanzdienstleistungen: Zwischen Arbeitsmarkt-Mismatch und Fachkräftemangel

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Versicherungs- und Finanzbranche. In 14 der 16 Bundesländer kommt es hier zu einem sogenannten Mismatch: Trotz vorhandener Arbeitssuchender bleiben offene Stellen überdurchschnittlich lange unbesetzt. Besonders betroffen ist Rheinland-Pfalz mit durchschnittlich 282 Vakanztagen, gefolgt von Brandenburg (230 Tage), Baden-Württemberg (216 Tage) und Sachsen (192 Tage). In Bayern und Sachsen-Anhalt zeigt sich hingegen eine andere Konstellation: Hier trifft eine hohe Stellen-Arbeitslosen-Relation (SAR) – also mehr offene Positionen als Arbeitssuchende in der Versicherungs- und Finanzbranche – auf eine ebenfalls überdurchschnittlich lange Vakanzdauer. Dies deutet weniger auf klassische Matching-Probleme als vielmehr auf einen tatsächlichen Fachkräftemangel oder auf nicht ausreichend effiziente Bewerbungs- und Besetzungsprozesse hin.

Praxishilfen: Stellen bleiben trotz Bewerber unbesetzt

Bei der Analyse offener Stellen für Arzt- und Praxishilfen zeigt sich in 13 der 16 Bundesländer ein Arbeitsmarkt-Mismatch – es gibt zwar Arbeitssuchende, doch sie passen nicht zu den offenen Positionen. Besonders auffällig sind Rheinland-Pfalz (186 Tage Vakanz), Nordrhein-Westfalen (169 Tage), Hessen (154 Tage), Schleswig-Holstein (151 Tage) und Sachsen (148 Tage).

Ein tatsächlicher Fachkräftemangel zeigt sich nur punktuell: In Baden-Württemberg treffen 1.721 offene Stellen auf 1.697 Arbeitssuchende, bei einer durchschnittlichen Vakanzdauer von 176 Tagen. Ähnlich verhält es sich im Saarland (187 offene Stellen auf 185 Arbeitssuchende) und in Bayern (2.278 offene Positionen auf 1.848 Arbeitssuchende).

Steuerberatung: Fachkräftemangel und strukturelle Besetzungsprobleme

Auf Basis der angewandten Kriterien zeigt sich in der Steuerberatungsbranche ein klares Bild: In 14 der 16 Bundesländer weisen die Daten auf einen ausgeprägten Fachkräftemangel hin. Charakteristisch ist dabei die Kombination aus einer hohen Stellen-Arbeitslosen-Relation und langen Vakanzzeiten. Besonders deutlich wird dies in Rheinland-Pfalz, wo auf 240 offene Stellen lediglich 57 Arbeitssuchende kommen – was einer Stellen-Arbeitslosen-Relation von 4,21 entspricht –, während Positionen durchschnittlich bis zu 333 Tage unbesetzt bleiben. Auch in anderen Bundesländern ziehen sich Stellenbesetzungen in der Steuerberatung überdurchschnittlich lange hin, darunter im Saarland (307 Tage), in Mecklenburg-Vorpommern (281 Tage), in Bayern (263 Tage) sowie in Sachsen (256 Tage). Lediglich Hamburg und Berlin bilden eine Ausnahme: Hier deuten die Kennzahlen weniger auf einen klassischen Fachkräftemangel als vielmehr auf ein Arbeitsmarkt-Mismatch zwischen offenen Stellen und verfügbaren Arbeitskräften hin.


 

Personalwesen: Regulärer Bewerbermarkt in vielen Bundesländern

Im Personalwesen zeigt sich in neun Bundesländern ein regulärer Bewerbermarkt: Die Stellen-Arbeitslosen-Relation (SAR) ist niedrig und die Vakanzzeiten kurz. So dauert die Besetzung einer offenen Stelle in Berlin durchschnittlich nur 68 Tage, in Mecklenburg-Vorpommern 69 Tage, in Schleswig-Holstein 79 Tage und in Hamburg 80 Tage.

In einigen Bundesländern deutet die Kombination aus niedriger SAR und langer Vakanzzeit hingegen auf ein Mismatch hin. Dazu zählen Rheinland-Pfalz (119 Tage), Baden-Württemberg (99 Tage), Sachsen (98 Tage), Sachsen-Anhalt (92 Tage) und Niedersachsen (91 Tage).