
Freitag ab eins macht jeder seins – eine Analyse deutscher Öffnungszeiten
Am Freitag um eins noch schnell zum Amt oder zum Arzt? Das könnte knapp werden. Unsere neueste Analyse zeigt, wie stark sich die Öffnungszeiten verschiedener Branchen am Freitag von denen an den übrigen Wochentagen unterscheiden. Der bekannte Spruch stimmt dabei nur bedingt: Der stärkste Rückgang setzt je nach Branche zu unterschiedlichen Zeiten ein. Bei Behörden ist er bereits um 15 Uhr zu sehen – Ärzte und Zahnärzte schließen hingegen erst um 17 Uhr. Bei Apotheken lässt sich zwischen Freitag und den restlichen Wochentagen sogar kaum ein Unterschied feststellen.
Disclaimer: Verglichen wurde jeweils der Anteil der freitags geöffneten Standorte mit dem durchschnittlichen Anteil der zur gleichen Uhrzeit von Montag bis Donnerstag geöffneten Standorte. Angegeben ist die Uhrzeit, zu der dieser Unterschied innerhalb einer Branche am größten ausfällt.

In welchen Bereichen stimmt das Sprichwort „Freitag ab eins macht jeder seins“?
Am deutlichsten zeigt sich der „Freitag-ab-eins“-Effekt bei Behörden: Um 13 Uhr sind freitags 70,6 Prozent weniger Standorte geöffnet als zur gleichen Uhrzeit von Montag bis Donnerstag. Bei Steuerberatungen beträgt der Unterschied 33,1 Prozent. Damit weisen sie den zweitstärksten Rückgang der untersuchten Segmente auf. Es folgen Versicherungen mit 23,9 Prozent, Zahnarztpraxen mit 17,4 Prozent und Handwerksbetriebe mit 16,1 Prozent weniger geöffneten Standorten.
Bei Banken zeigt sich dagegen das umgekehrte Bild: Um 13 Uhr sind freitags 17,0 Prozent mehr Standorte geöffnet als zur gleichen Uhrzeit an den übrigen Werktagen. Auch bei Apotheken liegt der Anteil um 2,2 Prozent höher.
Mythos oder Wahrheit? Der größte Unterschied zeigt sich meist erst später
Bei den meisten Branchen ist der Unterschied zu den übrigen Werktagen nicht um 13 Uhr, sondern erst am späteren Nachmittag am größten. Bei Behörden sind freitags um 15 Uhr 87,2 Prozent weniger Standorte geöffnet als zur gleichen Uhrzeit von Montag bis Donnerstag. Im Handwerk erreicht der Unterschied um 15.30 Uhr mit 31,4 Prozent seinen Höchstwert.
Bei Steuerberatungen und Rechtsberatungen ist die Lücke um 16 Uhr am größten. Dann sind freitags 72,1 beziehungsweise 48,6 Prozent weniger Standorte geöffnet. Bei Immobilienmaklern beträgt der Unterschied zu diesem Zeitpunkt 24,7 Prozent. Versicherungen erreichen ihren Höchstwert eine halbe Stunde später: Um 16.30 Uhr sind freitags 72,0 Prozent weniger Standorte geöffnet.
Bei Arzt- und Zahnarztpraxen wird der Unterschied ab 17 Uhr besonders deutlich. Zu diesem Zeitpunkt sind freitags 78,9 Prozent weniger Arztpraxen und 77,9 Prozent weniger Zahnarztpraxen geöffnet. Auch bei Banken ist die Abweichung um 17 Uhr mit 61,1 Prozent am größten. Apotheken fallen erneut aus dem Muster: Bei ihnen erreicht der Unterschied erst um 18.30 Uhr seinen Höchstwert und beträgt lediglich 8,3 Prozent.
Behördengänge am Freitagnachmittag kaum möglich
Für den Städtevergleich lagen nur in Berlin, Hamburg, Leipzig, Hannover, Dresden, München, Karlsruhe und Nürnberg ausreichend Daten für eine belastbare Auswertung vor.
Am frühesten erreicht der Unterschied in Nürnberg seinen Höchstwert: Bereits um 12.30 Uhr sind dort freitags 80,5 Prozent weniger Behörden geöffnet als zur gleichen Uhrzeit von Montag bis Donnerstag. In Hannover und Karlsruhe ist die Abweichung um 14 Uhr am größten. Sie beträgt 66,7 beziehungsweise 76,5 Prozent. Auch Hamburg erreicht um 14 Uhr seinen Höchstwert. Dort sind freitags zu diesem Zeitpunkt knapp die Hälfte weniger Behörden geöffnet.
In Berlin und Dresden fällt der größte Unterschied um 14.30 Uhr auf. Dann sind freitags 90,4 beziehungsweise 94,1 Prozent der Behörden geschlossen. In Leipzig und München hingegen wird noch bis 16:00 Uhr gearbeitet. Erst dann gehen 69,8 bzw. 67,98 Prozent der Behörden ins Wochenende.

„Bei Behörden ist am Freitagnachmittag vielerorts tatsächlich früh Feierabend: In einigen Städten schließen die meisten Standorte bereits um 12:30 Uhr. Apotheken zeigen dagegen, dass es auch anders geht – hier unterscheidet sich die Erreichbarkeit am Freitag kaum von den übrigen Wochentagen. Gerade weil viele Unternehmen freitagnachmittags ihre Türen schließen, wächst die Bedeutung von Erreichbarkeit über andere Kanäle. Kunden erwarten heute, dass sie auch dann noch jemanden erreichen, wenn das Büro schon leer ist", stellt Laura Keddi, VP Marketing & Customer Success bei ebuero, fest.
Über die Untersuchung
Für die Analyse wurden Öffnungszeiten aus OpenStreetMap ausgewertet. Betrachtet wurden insgesamt 171.178 Einträge aus zehn Branchen: Ärzte, Zahnärzte, Apotheken, Banken, Versicherungen, Rechtsberatung, Immobilienmakler, Steuerberatung, Handwerk und Behörden. Bei 69.312 Einträgen war ein auswertbares Feld mit regulären Öffnungszeiten vorhanden. Für die Branchenanalyse wurde der Anteil der am Freitag geöffneten Standorte mit dem entsprechenden Anteil von Montag bis Donnerstag verglichen. Im ersten Teil der Auswertung wird der Unterschied um 13 Uhr betrachtet. Anschließend wurde für jede Branche der Zeitpunkt ermittelt, an dem der relative Rückgang am größten ist.
